|OKK| - Organ kritischer Kunst - organ of critical arts



Motio - Eine Nomaden Gesellschaft


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Die freie Mobilität von Menschen, der Austausch von Völkern und Kulturen beeinflusst schon immer die Prozesse von Evolution und kulturellem Fortschritt. Verschiedene Denkarten und Glaubensweisen müssen nicht zwangsläufig zu Konflikten führen, sondern begünstigen gegenseitigen Austausch und fruchtbare Zusammenarbeit. Für die Einzelne oder den Einzelnen bedeutet Migration einen Entwicklungsprozess, eine Reihe aufeinander aufbauender Erfahrungen. In der Kombination der verschiedenen Faktoren, wie Fortschritt und Fehlschläge, die diesen Weg begünstigen oder behindern, konstruiert sich nach und nach eine individuelle Lebensgeschichte. Diese Dynamik zeichnet auch MOTIO aus.


Ausgangspunkt von Motio war ein ständiger Austausch von der Recherche zu Migration und ihre Umsetzung bei der Entwicklung einer drei dimensionellen spielerischen Vorlaufsystem von Juan Pablo Díaz und der Recherche zu Abschiebegewahrsam von Mattia Bier bei der Umsetzung in einer grafisch-literarischen Tagesbuch anhand einer Serie von Zeichnungen und Fotos ihrer Feldforschung im Abschiebegewahrsam.
Als zwei eng verbundene Thematiken haben wir eine Kooperation entwickelt, um die Lebensumstände von Zuwanderern in Deutschland durch ein Brettspiel zu thematisieren.

Zeichnung Mattia Bier

Eine wandernde globale Gesellschaft


Das Leben ist eine stetig wachsende Sammlung von Erfahrungen: Glück, ebenso wie Scheitern, Enttäuschungen, Schwierigkeiten und Chancen. Auf diese Weise formt sich die Individualität des Einzelnen. Die Person mit all ihren Eigenschaften ist somit als Ergebnis der Kombination von Erlebnissen innerhalb einer veränderlichen Umgebung und Gesellschaft zu verstehen. So betrachtet, ist auch jeder erlebte Verlust im Grunde ein Gewinn an Erfahrung, so wie jede Enttäuschung auch ein Schritt voran sein kann.

Das Zusammentreffen von Zufällen ebenso wie die Entscheidungen, die wir treffen, modellieren unser Leben. Mobilität ist in diesem Zusammenhang ein wesentlicher Faktor, der eigentlich ein grundlegendes Menschenrecht darstellen sollte, häufig aber nicht verwirklicht werden kann. Wenn es uns nicht erlaubt ist, uns frei zu bewegen, sind damit unsere Entwicklungsmöglichkeiten eingeschränkt. Mobilität muss daher nicht nur ein Menschenrecht sein sondern einfach etwas selbstverständliches. In unserer jetzigen spätkapitalistischen Gesellschaft sind die Hindernisse für die freie Mobilität nicht nur finanzieller, sondern auch gesetzlicher Natur.
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Auch in Bezug auf gesetzliche Beschränkungen existieren immer Spielräume, Faktoren, mit denen wir spielen können, ohne offen gegen das Gesetz zu verstoßen. So ließe sich das Leben als ein Spiel beschreiben, das aufseiten der Mitspieler Kreativität und Einfallsreichtum im Umgang mit Vorschriften erfordert, etwa, wenn sie sich in ihrer Bewegungsfreiheit nicht einschränken lassen wollen. Ausgehend von meinen eigenen Erfahrungen und Beobachtungen als Migrant in Deutschland setze ich mich mit dem Phänomen Migration zwischen „freier Mobilität“ und „Spiel“ als Vermittler von erfahrbaren Momenten künstlerisch auseinander.

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Die so benannte  Aufnahmegesellschaft beobachtet die Begegnung zwischen verschiedenen Kulturen immer noch misstrauisch. Die Chancen sind von der Herkunft und in einigen Fällen immer noch von der Hautfarbe abhängig. Migranten begegnen Vorurteilen im Alltag ebenso wie struktureller Diskriminierung im Umgang mit Behörden.
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Das nationalstaatliche Konzept zieht eine Grenze zwischen In- und Ausländern, die jeweiligen  nationalen Gesetze wiederum differenzieren zwischen „erwünschten“ und „unerwünschten“ Zuwanderern. Ein Gedankenexperiment kann verdeutlichen, wie es sich anfühlt, auf der „anderen Seite“ geboren zu sein und als „Fremder“ gesehen zu werden. Meiner Art, diese Problematik herauszuarbeiten, besteht in der Entwicklung eines Spiels.
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Texte und Grafiken aus der Recherche und Umsetzung von Juan Pablo Díaz

 
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