|OKK| - Organ kritischer Kunst - organ of critical arts



Meinungsträger
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11-16 OCtober 2012  /  St Petersburg
Organisation St Petersburg: Nepokorenie and ZHIR Projekt, MoscowOrganisation Berlin: okk collective (Pablo Hermann and Juan Pablo Diaz)

Anfang 2011 wurde das Organ kritischer Kunst im Rahmen des Jahres der Deutsch-Russischen Freundschaft von Zhir Projekt eingeladen, seine Arbeit im ehemaligen Leningrad zu präsentieren. Im Oktober 2012 veranstalteten zwei in Berlin lebende Künstler gemeinsam mit Kunststudierenden aus San Petersburg einen Vortrag und einen praktischen Workshop zu kulturellem Aktivismus.

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Als Kollektiv sind wir weder individuelle Retter_innen einer dekadenten Gesellschaft noch Ideolog_innen oder “Held_innen“: wir folgen keiner Spielart eines individuellen Egoismus. Wir verbreiten und vertreten keine Ideologien, Doktrinen, Dogmatismen oder Fanatismen.

Wir betrachten uns als Mitwirkende eines Netzwerkes, einer Plattform für kulturellen Aktivismus zwischen Künstler_innen und Bürger_innen. Dabei geht es unter anderem darum, den Begriff des „Künstlers“ und sein individuelles Genie zu entmystifizieren. Kollektiver kultureller Aktivismus bedeutet für uns, in hierarchielosen Strukturen zu arbeiten und emanzipatorische Kräfte in der Gesellschaft zu fördern: Die Zusammenarbeit im Kollektiv vereint basisdemokratische Strukturen und künstlerische Praxis. Als gesellschaftliche Institutionen ist es Aufgabe der Kunst, eine Kultur des Gemeinsinns zu schaffen, eine Kultur des Zusammen-Machens und des Zusammen-Denkens.

„Die Herausforderung des kollektiven und interdisziplinären Verhaltens und Zusammenarbeitens als Gruppe ist es, effiziente Kommunikations-, Interaktionsmethoden zu entwickeln, um produktive, gewaltlose, transparente Dialoge (ohne ideologische Durchsetzungsversuche) durchführen zu können. Die aggressive Durchsetzung und verzweifelte Verteidigung von Ideen und Ideologien sind Teil unseres kolonialen hegemonialen Verhaltens, das für einen Dialog und kollektive Zusammenarbeit nicht zuträglich erscheint. Wahrnehmen, ausdrücken, verstehen wollen und sich verstehen lassen sind Bedingungen für die interkollektiv-interdisziplinäre kulturelle Arbeit! […] Der Wunsch – durch unkontrollierbaren Hass, Egozentrik und Eitelkeit motiviert – individuelle Namen in den Seiten der Geschichte, im gewaltigen Augenblick der „Geburt“ der neuen Welt zu stempeln, gehört zu den Problematiken, die es zu dekonstruieren gilt – sozusagen zu dekolonialisieren, da dieses elitäre und hierarchische Denken seinen Ursprung in der okzidentsalischen Kolonialpolitik hat. […] Einige naive Anhänger von selbstdestruktiven Diskursen in der Kunst gehören zu einer kleinen geschlossenen Gruppe, dessen Publikum sich einem überschaubaren, egozentristischen Kreis der Avantgardebewegungen widmet, voll mit Widersprüchen, wo die Interessen darin bestehen, eher ihre Namen in den Seiten der Geschichtsbücher zu sichern, statt sich um die Kommunikation zwischen den verschiedenen Gruppen in einem Prozess zu kümmern und sich somit produktiv und verstärkt einzubringen. Solche Gruppierungen tendieren zu nostalgischer Wiederbelebung und Nachmachung einiger Eigenschaften von früheren eingebildeten, totalitären und verschwommenen Diskursen („sozialer“) Kunsttheoretiker.“
( Pablo Hermann, Juan Pablo Díaz: „Interventionen der Kunst in der Demokratie“. Edition Assemblage)


Ziel des partizipatorischen Workshop mit Kunststudierenden in San Petersburg war es, ein variables Instrument zur Anklage von Ungerechtigkeiten in verschiedenen Kontexten zu entwickeln. Als konzeptueller Ausgangspunkt des Workshop diente uns die Idee des „Meinungsträgers“, d.h. eines sowohl digital als auch analog öffentlich einzusetzenden Interventionsmediums. „Meinungsträger“ (Opinion Props) sind tragbare Strukturen, die die eigene Meinung an die Öffentlichkeit signalisieren helfen.

Heutztage ist es schwierig, eigene Meinungsäßuerungen wirksam zu verbreiten, da diese in einem ständigen Strom aus Werbung und Informationen stets nur Mitbewerber sind. Im Rahmen des Workshops haben wir uns mit der Strategie, Methodik und Praxis effektiver Parolen sowie mit der kreativen Platzierung von Bildern im öffentlichen Raum beschäftigt.

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Wir haben dann Ricardo Ramírez (mit dem wir zusammen der zweite Teil des „Hammer-Projekts“ entwickeln hatten) und Robert Huber (Zusammen gearbeitet im „Paint Syndicate“ in Berlin und Moskau Biennale „Media Impact“) eingeladen um jeweils das analog und digitale Modul des Workshops zusammen durchzuführen.

So haben wir mit Robert angefangen zu überlegen und verschiedene Strategien entwickelt, bis Robert die schöne Nachricht über seine anstehende Vaterschaft erhielt, worüber wir uns natürlich mit Robert und Stefanie mit freuten und ihnen das Beste wünschen. Da die kleine Matilda genau in der Zeit des Workshops in San Petersburg zur Welt kommen sollte und Robert selbstverständlich diesen besonderen Moment nicht verpassen konnte, haben wir Andrius Savickas (wir haben zusammen mit ihm in den Projekten „2012 is the season for treason“ und „POT/Kassel“ gearbeitet) eingeladen den digitalen Beitrag zusammen auszuarbeiten. 

Mit dem neu gestaltetem Team aus Berlin sind wir nach San Petersburg gefahren, um gemeinsam mit den Kunststudenten von der ‚ Mukhina art academy‘ den Workshop durchführen zu können.

Das analoge Modul (Straßen Marionetten) untersucht das Verhalten von artikulierten zweidimensionalen Marionetten, mit dem Ziel Konzepte in Bezug auf bestimmte Situationen im öffentlichen Raum zu repräsentieren. Die Artikulation der Marionetten dient dazu eine interaktive und theatralische Stimmung zu schaffen, für eine effektive Verbreitung der Botschaft im öffentlichen Raum.
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Die verschiedenen Techniken dieser Art von Repräsentation halfen uns die Themen zu definieren, welche kommuniziert werden sollten. Anhand eines „Step by Step“ Manuals und eines ständigen Dialogs und Abstimmung im Kollektiv (mit den Teilnehmern) wird die Thematik und Form definiert.

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Für die Realisierung der Objekte wird über die Techniken und Anwendungen der verschiedenen Materialien (Holz, Carton, Leim, Schnitte, Farben...) und Werkzeuge gesprochen. Eine Symbolik die Situationen, Institutionen oder Personen zu thematisieren wird diskutiert und bearbeitet, um in einer theatralischen Form, mittels ironischer Situationen und mit den Marionetten, wiedererkennbare Zeichen im öffentlichen Raum zu schaffen. 

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Nach der Anfertigung der Konstruktion werden die körperlichen und choreografischen Möglichkeiten experimentiert und eingeübt.

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Das digitale Modul (Psychic Spam Attacks) stellt den Teilnehmern Text- und Filmaterial aus dem Internet zur Verfügung, mit dem Ziel die Meinungsträger in einer „digitalen“ öffentlichen Sphäre, in diesem spezifischen Fall für e-mail Spamming, zu bringen. Eine gewisse Form von Identität wird „kreiert“ (in der Form einer e-mail Adresse), um durch diese die Ausführungen von Spam-Attacks durchzuführen. 
Der wichtigste Aspekt des beschriebenen Vorschlags ist es, eine Theorie und Praxis von digitalen kulturellen Werkzeugen zu erkunden, welche auch zu anderen Formen von sozialem Aktivismus erweitert  werden können. In der Situation vom diffusen Spektakel, wo der Kapitalismus sich selbst, sowohl in der öffentlichen Sphäre, als auch im persönlichen Leben manifestiert, kann das System der Entfremdung auf verschiedenen Ebenen kritisiert werden, aber gleichzeitig sollten die Ziele spezifisch ausgewählt werden.

Gestützt durch die Tradition der „Anti-Art“, bezieht sich diese „Methode“ auf die Arbeit von Peter Bürger, Roger Taylor, die Multiple Identität und die Art-Strike Bewegungen, um gleichzeitig das „Re-thinking“ des betrügerischen Status der zeitgenossischen Kunst-Gesellschaft aufzudecken und sie befasst sich in der kulturellen Praxis mit dem radikalen, unauthentischen: „un-creative writing“!

Durch ein Recycling von kollektivem Schreibmaterial werden seriöse, aber gleichzeitig sarkastische Ansätze entwickelt, welche selbst keinen verständlichen Herkunftspunkt haben sollten. 





 
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